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Die Rezension: Zarah – Wilde Jahre – Folge 1

Spoiler! Die Rezension: Zarah – Wilde Jahre – Folge 1

Mit der letzten Rezension gehen wir in die Vergangenheit. Die Serie Zarah – Wilde Jahre spielt im Jahre 1973. Wichtig bei Geschichtsserien ist es immer, dass das gezeigte so authentisch wie möglich gezeigt wird, um ein Gefühl der Epoche herüberzubringen worin der Zuschauer eintauchen kann und mitbekommt warum gerade diese Zeit, anders als die heutige ist und warum es nötig war die Geschichte auch zu erzählen. Leider gelingt das der Serie nicht wirklich, ist nach der ersten Folge noch nicht ganz klar was uns die Geschichte genau erzählen will.

 

Inhalt: Worum geht's?

Ebenso relevant wie unterhaltend erzählt die neue ZDF-Primetime-Serie "Zarah - Wilde Jahre" ein Stück deutsche Emanzipationsgeschichte im Genre einer Journalistenserie. Die Revolte der 68er hat die Verhältnisse zum Tanzen gebracht, Willy Brandt will "mehr Demokratie" wagen und in Mode, Popkultur und Sex bricht man zu neuen Ufern auf. Die BRD ist bunt und funky, aber an den Schaltzentren der Macht, in Politik, Wirtschaft und Medien sitzen nach wie vor fast ausschließlich Männer.

1973. Als die bekannte Frauenrechtlerin Zarah Wolf das Angebot des renommierten Verlegers Frederik Olsen bekommt, Mitglied der Redaktion seiner auflagenstarken Illustrierten "Relevant" zu werden, sieht die engagierte Journalistin die Gelegenheit gekommen, das Thema der Emanzipation machtvoll voranzutreiben, und kehrt von London nach Hamburg zurück.

Schnell muss Zarah erkennen, dass der Widerstand der Männerkaste – von alltäglichen Macho-Allüren über blanke Ignoranz bis konsequenter Besitz­standswahrung – unüberwindlich scheint. Zarahs Themen sind bedeutsam, für die meisten männlichen Kollegen jedoch "Gedöns": Kampf gegen den §218, der Abtreibung mit Zuchthaus sanktionierte, gegen einen virulenten, alltäglichen Sexismus, gegen eheliche Gewalt an Frauen, die meist straffrei blieb, und für Gleichberechtigung auf allen Ebenen.

Zarahs Versuche, gegen den im Wochenmagazin "Relevant" herrschenden Sexismus anzugehen, treffen auf harte Gegenwehr. Chefredakteur Hans-Peter Kerckow bremst sie aus. Er ist verärgert über die Entscheidung des Verlegers Olsen, eine feministische Aktivistin für seine Zeitschrift zu engagieren. Um sich gegen Kerckow, den konservativen Politikchef Schaffelgerber, den mit hohem Testosteronspiegel ausgestatteten Kulturredakteur Hartwig oder den cholerischen Chefgrafiker Balkow durchzusetzen, geht Zarah riskante Wege und lässt sich bald auf einen Machtkampf um die Führung der Redaktion ein.

Dass Verlegertochter Jenny, die ihr Olsen als Volontärin zuordnet, sich in sie verliebt, macht die Sache nur noch komplizierter, und Zarah muss die Frage beantworten, was sie für ihre Karriere und ihre politischen Ziele bereit ist zu opfern.

Zarah - Wilde Jahre Trailer:

(Für den Inhalt der Serie habe ich auf den Originaltext der ZDF-Seite zurückgegriffen. Dass um die Handlung nicht zu verfälschen und weil ich der Meinung bin, dass der ausstrahlende Sender am besten seine neue Serie vorstellen und beschreiben kann.)

 

Review:

Warum auch immer sind die Siebziger gerade wieder total in. Sei es wegen der Musik, die nie wirklich weg war, der Kleidung die immer noch ihres gleichen sucht (sowohl im Guten als auch im schlechten) oder der politischen Lage in der man noch wusste wer Gut und Böse war und vor allem warum.

In dieser Zeit gab es verschiedene Frauenbewegungen die sich für mehr Rechte der Frauen eingesetzt hatten. Nachdem das Wahlrecht nach dem Krieg den Frauen ein erstes Mitspracherecht gegeben hat, haben vor allem die aufblühenden Fünfziger in Amerika und die wilden Sechziger in Amerika und England dafür gesorgt das der Geist aus der Flasche kam und Frauen langsam immer besser wusste was sie wollten (und das sie überhaupt etwas wollten) und wie sie es bekommen könnten. Leider war die Gesellschaft (also die Männer) nicht unbedingt darauf eingestellt und so zogen Frauen für mehr Rechte (unter anderen das Recht auf Abtreibungen oder das Recht zu arbeiten auch wenn der Mann zu Hause was dagegen hatte) durch die Straßen und verbrannten dafür unteranderen auch ihre BHs.

In dieser Aufrührenden Zeit spielt die Serie „Zarah“. 1973 tritt Zarah Wolf ihren Job als Stellvertretende Chefredakteurin bei der Zeitschrift „Relevant“ an.

Dieses Magazin gab es nie und generell ist alles in der ersten Folge eher auf ein, was-wäre-möglich-gewesen, ausgerichtet als ein, ja so war es. Warum Mann nicht die Geschichte einer der echten führenden Frauen aus dem Jahrzehnt genommen hat weiß ich nicht, aber im Endeffekt ist es dadurch nur eine schöne Geschichte ohne echte Substanz. Damit kann man einen Vergleich zu Mad Men ziehen. Und während sich die Vergleiche aus verschiedenen Gründen aufdrängen, spielen beide Serien in der Vergangenheit, handeln sich beide an wichtigen Orientierungspunkte der Geschichte entlang und überzeugt die Serie mit Musik und benutzt diese als Stylemittel, sieht Mad Men dabei leider einfach besser aus. Ein gutes Beispiel wäre zum Beispiel das ich viel lieber Don Draper zuschaue wie er über Geschäfte redet während er sich einen Trink nach dem anderen reinpfeift, anstatt zu zusehen wie Zarah ihr Mutter besucht die noch lecker Schnittchen und Kaffee gemacht hat. Realistisch sicherlich, aber wirklich sehenswert?

Das heißt aber nicht das die Serie nicht auch durchaus einige Qualitäten hätte. Die Siebziger sind sicherlich ganz gut getroffen und ich spreche den Schreibern und Ausstattern nicht ab das damals alles so aussah wie es halt aussah (man kennt es ja aus Dokumentationen, wenn man nicht sowieso live dabei war). Und während die Musik für den nötigen Subtext sorgt (sodass nun nicht wirklich alles erklärt werden muss) muss ich aber als Serienkenner, der über Serien schreibt (und ihr die sicherlich auch viele Serien kennt), fragen was uns diese Serie eigentlich sagen will? Denn sie verteufeln die damalige Zeit nicht. Sie erwähnen nur das Frauen halt auch mal ihren Spaß haben wollen aber ansonsten ja alles ganz gut sei.

Ein weiteres Fragezeichen setzte ich auch hinter den nicht vorhandenen Spannungsaufbau durch die Folge hindurch. Keiner der Leute aus der Redaktion kommt wirklich zur Geltung und vieles wird einfach nur in Gespräche eingestreut damit man es mal erwähnt hat. In einer Szene flüstert Zarah mit einem (englischsprechenden) Künstler damit der Zuschauer nicht sofort mitbekommt was als nächstes passiert. Das Problem daran ist das wir es wirklich gleich als nächstes erfahren und die Spannung irgendwie auf der Strecke bleibt. Gerade auch weil das Gespräch in einer Opiumhöhle stattfindet, gibt es erstens keinen Grund zu flüstern noch einen Grund warum es vor dem Zuschauer geheim gehalten wird (hintergeht sie in dieser Szene ja ihren Chef, der aber zu der Zeit nicht neben ihr stehen kann).

Am Ende gibt es noch eine kleine Einstreuung der Bader-Meinhof-Gruppe die das Gesamtbild der Siebziger wahrscheinlich abrunden kann (wie gesagt, damit man sagen kann, wir haben es mal erwähnt).

Die Schauspieler spielen ihre Rollen gut aber außer Zarah (Claudia Eisinger) konnte halt noch niemand überzeugen oder besonders auffallen. Außerdem habe ich noch nicht herausgefunden was jetzt genau ihre Motivation ist? Ich verstehe was sie erreichen will aber wenn es (und so endet die erste Folge) darauf hinausläuft das, anstatt nackter Frauen, mal ein nackter Mann auf dem Cover des Magazins ist, fragte ich mich in wieweit dass jetzt die Frauen hinaufsetzt und das irgendetwas ändern soll?

 

Fazit:

Im Vergleich zu amerikanischen Serien kann diese Serie (und das ZDF generell) leider nur verlieren. Aber wer sich darauf einlässt kann mal eine deutsche Serie erleben die sich mal nicht um Ärzte, Polizisten oder Autobahnen dreht. Und das ist aufjedenfall schon einmal ein Gewinn. Dennoch hoffe ich (die erste Staffel mit 6 Folgen ist ja bereits fertig gestellt) das die Serie, wenn sie so weitergeht, in der 2. Staffel mehr Fleisch auf die Rippen bekommt. Denn das Gerüst ist sicherlich da; aber es fehlt im Moment noch an der Stabilität die wir aus anderen Geschichtsserien aus dieser und anderen Zeiten kennen.

Ich bleibe auf jedenfall dran, und bin mal gespannt was in der zweiten Folge passiert, während in meinem Hinterkopf aber immer noch mitschwingt das ich alles, so oder so ähnlich, schonmal irgendwo besser gesehen habe.

07.09.2017 0 Kommentare

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